

Eine ABC-Analyse ist ein betriebswirtschaftliches Analyseverfahren. Durch diese Analyse lassen sich Rückschlüsse auf beispielsweise die Kapitalbindung von Produkten schließen oder feststellen welche Produkte mit welcher Höhe am Umsatz beteiligt sind.
Das Ergebnis dieses Verfahrens ist eine grafische Darstellung mit deren Hilfe man beurteilen kann wie viel % der Güter wie viel % des Geldes binden. Anwenden lässt sich das beispielsweise bei Inventuren eigener Mittel. Wenn Sie wissen, dass Sie 1 Tag Zeit und 15.000 Teile zu zählen haben, kann es interessant sein zu erfahren welche ihrer Güter, Waren & Betriebsmittel wesentlich und welche eher unwesentlich sind, was die Kapitalbindung angeht. Dann können Sie sich darauf fixieren, die tatsächlich wichtigen Dinge in ihrer Inventur zu erfassen.
Zu bestimmen sind A, B und C- Güter. Diese besagen:
Mit dieser Art der Analyse können andere Parameter ebenfalls bestimmt werden.
Alle diese Verfahren werden auf die gleiche Art erstellt. Lediglich die Werte werden geändert. Entweder die Häufigkeit des Umschlages, das Volumen oder eben der Wert. Es ist auch möglich diese Analysen zu kombinieren. Sollen alle 3 zusammengefasst werden, kann eine dreidimensionale Darstellung mittels eines Würfels erfolgen.
Jede Analyse für sich, wird mittels einer Lorenzkurve dargestellt. Die Schlussfolgerungen die durch eine ABC-Analyse möglich werden, sind in der Lagerlogistik eine der Grundüberlegungen zur Zonenbildung im Lager. Siehe dazu den Abschnitt "COI".
Der Name "ABC-Analyse" kommt in der reinen Lagerlogistik in einem anderen Kontext vor, nämlich in Bezug auf die Umschlaghäufigkeiten von Gütern. Dann besagt die ABC-Analyse ob ein Artikel lange im Lager - Langsam- oder Nulldreher - ist oder nur kurz gelagert wird, ein sogenannter "Schnelldreher". In der Betriebswirtschaft heißt diese spezielle Art der Auswertung aber XYZ-Analyse.
Berechnung mittels EXCEL
Bitte beachten: dargestellt wird meine persönliche Vorgehensweise mit der ich solche Lösungen in der Regel ermittle. Da dabei Spalten dort eingefügt werden sie mir sinnvoll erscheinen, können sich die Spaltennamen von Schritt zu Schritt ändern.
Dies ist nur ein Beispiel, es gibt keine fest definierte Marschroute für die Erstellung dieser Analysen! Ziel ist es lediglich die einzelnen Schritte zu erläutern und dadurch die fertige graphische Darstellung besser hinterfragen zu können. Die Bilder sind mit der Excel-Version 2010 erstellt worden. Das Ganze funktioniert aber auch hervorragend mit allen anderen Versionen.
Es werden alle Güter in einer Excel-Tabelle erfasst. Spalte A enthält die Bezeichnungen der Artikel. Spalte B enthält die dazugehörigen Werte. Beispielsweise:
Alle Artikel und die dazugehörigen Werte werden den Werten nach absteigend sortiert. Danach (!) wird eine laufende Nummer für jeden Artikel vergeben.
In Spalte D werden einzelnen € Werte aus Spalte C kumuliert. Also mit dem Vorwert addiert, siehe Rechenfunktion oben im Bild.
In Spalte B (neue Spalte eingefügt) wird errechnet welchen %-ualen Wert die laufende Nummer aus Spalte A hat. Zellenformat für Spalte B = %
Tipp: Da immer mit der letzten laufenden Nummer dividiert wird (hier Zelle A15 = lfd. Nr.14), kann diese zur Vereinfachung "festgesetzt" werden. Dafür wird vor den Spaltennamen A ein Dollarzeichen $ gesetzt. Das selbe passiert mit der Zeilenangabe 15. Der Teil der Formel heißt demnach $A$15. Wird die Formel nun die gesamte Spalte herunterkopiert, rutscht der Divisor nicht mit, sondern bleibt immer der Gleiche.
In Spalte F wird der %-tuale Wert der kumulierten €-Werte ermittelt.
Tipp: Der Divisor in Zelle E15 ist wieder festgesetzt. Siehe Formel im Bild oben.
Die Spalten B und F werden ausgewählt. Anschließend als Diagrammtyp Punkt (XY) Diagramm auswählen.
Tipp: Mittels der Strg-Taste können verschiedene Zellen, Zeilen oder Spalten ausgewählt werden, die nicht nebeneinander liegen. Das funktioniert in den meisten Programmen der Office-Serie.
Das Diagramm ist erstellt und muss noch etwas besser dargestellt werden. Dazu Rechtsklick auf die Achsenbezeichnung. Im Dialogfeld das Maximum von 1,2 auf 1,0 setzen und die Dezimalstellen auf 0. Das gleiche gilt die andere Achse.
Da ich keine elegantere Lösung kenne um die Trennlinien einzuziehen benutze ich die Autoformen. An charakteristischen Stellen im Verlauf des Graphen kann man nun die Trennung von A, B und C Gütern vornehmen. Sind keine markanten Stellen erkennbar, einfach abschätzen. Zum Beispiel 50% des Kapitals und 90% des Kapitals.
Auswertung:
Ein Blick auf das Diagramm verrät die Einteilung in A, B oder C-Güter. Der anschließende Vergleich der Grenzwerte mit der Auflistung stellt dar, um welche Güter es sich dabei handelt.
Hier:
A - Güter sind eindeutig der Firmenwagen und der Sensor. Allein diese beiden Posten binden knapp 50% des Kapitals.
C - Gut ist alles was weniger als der Drucker wert ist. Also Aktenschrank und darauf folgende Artikel
Je mehr Daten man zur Verfügung hat, umso aussagekräftiger wird die Darstellung. Eine Liste mit hunderten oder tausenden von Artikeln ist also eher gut als schlecht.
Der Cube per Order Index COI trifft eine Aussage darüber in welcher Lagerzone ein Gut gelagert werden sollte. Hintergrund ist die Annahme, dass es voteilhaft ist, ein häufig benötigtes Gut schnell und ohne lange Wege auslagern zu können. Weiterhin soll die Größe, sprich also das Volumen der Ware (incl Verpackung) ein Rolle spielen. Als dritte Größe wird die Bestellhäufigkeit ebenfalls mit in die Rechnung integriert. Ein hoher Index besagt, dass ein Gut tendenziell weiter vom Bereitstellungspunkt entfernt gelagert werden sollte.
Zur Veranschaulichung stelle man sich einen Gang vor, an dessen rechter Seite drei Kisten stehen. Alle Kisten werden in der Mitte mittels eines Gabelstaplers aufgenommen und transportiert. Gelagert wird mit der Längsseite zum Gang. Die erste Kiste ist 14 Meter lang (die Längsseite zum Gang), die zweite Kiste 6 Meter und die Dritte 2 Meter. Steht Kiste 1, also die Größte, vorn im Gang, muss man an dieser vorbei um an die Kisten 2 und 3 zu gelangen. Dabei ist der Weg insgesamt weiter als wenn die Kisten andersherum lagern würden. Unter anderem weil der Teil der Kisten hinter dem Mittelpunkt "unnötiger" Weg ist.
ein kurzes Szenario zur Veranschaulichung:
Rechnung Szenario 1, Reihefolge von Groß nach Klein
Entfernung = Länge Kiste 1 + Länge Kiste 2 + halbe Länge Kiste 3 (da der Stapler die Kiste in der Mitte aufnimmt, muss auch nur die halbe Länge gezählt werden)
Entfernung = 14 Meter + 6 Meter + 1 Meter
Entfernung = 21 Meter
Rechnung Szenario 2, Reihenfolge von Klein nach Groß
Entfernung = Länge Kiste 3 + Länge Kiste 2 + halbe Länge Kiste 1
Entfernung = 2 Meter + 6 Meter + 7 Meter
Entfernung = 15 Meter
Fazit
Im Beispiel betrug die zusätzlich zu überbrückende Entfernung 6 Meter. Überträgt man diese vermeidbare Distanz nun auf ein normal großes Lagerhaus, mit einer Vielzahl an Lagerartikeln, einer Vielzahl an Gabelstapler und Mitarbeitern wird klar, dass eine Zonenbildung unerläßlich ist. Für einen einmaligen Vorgang ist ein unnötiger Weg von 6 Metern nicht relevant. Müssen diese unnötigen 6 Meter aber von vielen Mitarbeitern mehrmals pro Stunde zurückgelegt werden (hin & zurück = 12m), kommen schnell Summen zusammen die alles andere als irrelevant sind.
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