Standortwahl

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Viele Unternehmen können im Zuge der Neugründung bzw. im Laufe des Bestehens vor der Frage stehen, ob ein neuer Standort oder der Aus- bzw. Umbau der aktuellen Standortpolitik notwendig ist. Anhand einiger Beispiele aus der aktuellen Presse und der jüngeren Vergangenheit lässt sich erkennen, dass die Gründe für Standortentscheidungen vielfältig sind und von jedem Unternehmen individuell entschieden werden müssen.

Die DB Schenker AG prüfte 2009 ob sich mittels einer räumlichen Zusammenfassung der Sparten Logistik und Fracht Synergieeffekte und damit Vorteile für die gesamten nationalen und internationalen Aktivitäten heben lassen. Der Kunststoffproduzent TICONA musste sich auf Grund der Erweiterung des Frankfurter Flughafens einen neuen Standort suchen und entschied sich für einen neuen Produktionsort in der unmittelbaren Nachbarschaft. Der Onlinehändler AMAZON erregt derzeit Aufsehen, indem er die Anzahl der Distributionszentren deutlich erhöht, um dem gestiegenen Umsatz und damit der Vielzahl an Kunden Rechnung zu tragen. Auch die Deutsche Börse, bis 2010 in Frankfurt beheimatet, beschloss nach Eschborn umzuziehen und damit die Gewerbesteuerlast signifikant zu reduzieren.

Wie die hier erwähnten Beispiele einerseits zeigen, sind die Beweggründe für Standortentscheidungen sehr unterschiedlich. Auf der anderen Seite wird aber auch deutlich, dass die Entscheidungen selbst in eine gemeinsame Richtung weisen. Es soll der langfristige Unternehmenserfolg gesichert werden. Da der Bau und die Einrichtung neuer Standorte mit hohen Kosten verbunden ist, besteht das Risiko, dass sich diese strategischen Investitionen nicht rentieren und der langfristige Erfolg somit eher bedroht als gesichert wird. Folgerichtig ist eine möglichst tragfähige Grundlage notwendig. Aber wie kann und soll diese Grundlage aussehen? Die betriebswirtschaftliche Wissenschaft hat sich seit dem frühen 20. Jahrhundert eingehend mit dieser Fragestellung auseinandergesetzt.

Vergleicht man die wissenschaftlich-modellhafte Betrachtung und die oben erwähnten Beispiele miteinander, fällt auf, dass es offensichtlich ein Wechselspiel zwischen der Modelltheorie und der in der Praxis getroffenen Entscheidung gibt.

Da die Beschreibung der einzelnen Modelle viel zu weit gehen würde, wird eine meiner Hausarbeiten zum download angeboten.

Die darin vorgestellten Modelle sind grundlegender Natur und zeichnen sich durch einen hohen Abstraktionsgrad aus. Durch ihre Charakteristik mit wenigen Ausgangsdaten anschauliche Ergebnisse zu liefern, eigenen sich die hier vorgestellten Modelle hervorragend die Arbeitsweise der Modelltheorie zu veranschaulichen. In der Vergangenheit wurden diese Modelle weiterentwickelt und Anpassungen hinsichtlich der Problemstellungen vorgenommen. Auf diese Weiterentwicklungen, wie zum Beispiel das Standortmodell nach Behrens, das Modell nach Smith oder das kapazitierte Warehouse-Location-Problem wird hier nicht eingegangen.

Im Abschnitt Berechnungsgrundlagen sind die Modelle: Steiner-Weber, Warehouse-Location, und eine Nutzwertanalyse an kurzen Beispielen erklärt.

Während die Modelltheorie vor allem einzelne Aspekte, wie Transportkosten, betrachtet, sind in der Praxis weitere Parameter von großem Interesse. Diese Parameter (Determinanten der Standortwahl) sind für jedes Projekt völlig individuell. Einige können bei verschiedenen Projekten immer wieder auftauchen, andere treten nur sporadisch auf. Bei der Planung eines Zentrallagers für einen Einzelhandelskonzern wird ein direkter Autobahnanschluss eventuell sehr interessant sein. Bei der Planung eines Offshore-Windparks wird eben dieser Autobahnanschluss wahrscheinlich (außer für den Bau) nicht so wahnsinnig wichtig sein.

Bei der Erstellung einer Nutzwertanalyse ist es möglich sich an den Determinanten zu orientieren, um relevante Subziele herauszufiltern.

Neben der hier gezeigten Einteilung der Determinanten in Rahmenbedingungen, ist auch eine Einteilung in harte und weiche Faktoren möglich. Vereinfachend kann man sagen, dass harte Faktoren vorwiegend direkte monetäre Einflüsse, während weiche Faktoren eher qualitativer Natur sind.

Zu diesen Determinanten können gezählt werden:
  • Infrastruktur
  • Verkehrsinfrastruktur (Straße, Schiene, BiSchi, Luftverkehr)
  • Energieversorgung
  • Wasserversorgung
  • Telekommunikation
  • Abfallbeseitigung
  • Nähe zum Absatzmarkt
  • geringe Transportkosten
  • regionales Markt Know-How
  • Sprache
  • Möglichkeit Umweltauflagen oder Handelshemmnisse (z.B. Zölle) zu umgehen
  • Markttransparenz
  • Nähe zu Produktionsfaktoren
  • Supplierparks
  • kurze Wiederbeschaffungszeit
  • verbesserte Outsourcingmöglichkeiten
  • Sicherung der Zugriffsmöglichkeiten auf begrenzte Kapazitäten
  • Subvention
  • Regionalförderung
  • Arbeitsmarkt
  • Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal
  • regionales Lohnniveau
  • Kündigungsschutz
  • Arbeitszeiten, Sozialversicherung
  • Transportkosten
  • Politik
  • politische Stabilität (z.B. Wechsel der Wirtschaftspolitik, wechselnde Fördermaßnahmen)
  • Rechtssicherheit
  • Lobbyismus
  • Korruption
  • Fiskal
  • Höhe und Art der Besteuerung
  • Umweltauflagen
  • Emission von Lärm, Licht, Schadstoffen
  • Abstand zu bebautem Gebiet
  • Boden- und Gewässerschutz
  • Handelshemmnisse
  • Zölle
  • Kontingente
  • Einfuhrverbote
  • Kapitalmarkt
  • Verfügbarkeit von Investoren
  • Wechselkurse
  • weiche Faktoren:
  • Bildungsangebote
  • Image des Standortes
  • Forschungseinrichtungen
  • Umweltqualität
  • Wohnmöglichkeiten, Wohnqualität incl. Umfeld
  • Freizeitmöglichkeiten
  • etc.

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